Sonntagmorgen, fünf Uhr dreiundvierzig
Es gibt Dinge, die erklärt man nicht. Man tut sie einfach.
Sonntagmorgen. Der Wecker klingelt nicht, weil ich keinen brauche. Mein Körper weiß, wann es Zeit ist. Fünf Uhr dreiundvierzig. Die Küche ist dunkel, nur das Licht über dem Herd, und es ist still im Haus, so still, dass ich das Klicken der Heizung höre und das leise Kratzen deiner Krallen auf den Fliesen, wenn du mir aus dem Schlafzimmer folgst.
Du legst dich neben den Ofen. Immer dieselbe Stelle. Rechts, wo die Wärme rauskommt, wenn er läuft. Jetzt ist er noch kalt, aber du legst dich trotzdem hin. Vorsorglich.
Mehl. Hefe. Milch, lauwarm, nicht heiß - heiß tötet die Hefe, und tote Hefe macht flache Brioche, und flache Brioche ist eine Beleidigung. Butter, Raumtemperatur. Eier. Zucker. Eine Prise Salz. Alles abgewogen, auf das Gramm, weil Backen keine Kunst ist, sondern Chemie. Kunst ist Kochen. Backen ist Wissenschaft mit Mehl.
Der Teig geht in die Schüssel. Die Schüssel geht an den warmen Platz neben der Heizung. Und dann: warten.
Ich mache Kaffee. Du seufzt. Die Uhr sagt sechs Uhr elf. Das Kind schläft noch. Die Frau schläft noch. Es ist nur du und ich und dieser Teig, der langsam größer wird, als wäre er lebendig, und der nach Hefe riecht und nach Butter und nach Sonntagmorgen.
Um sieben schiebe ich die Brioche in den Ofen. Hundertachtzig Grad, Umluft, zweiundzwanzig Minuten. Der Geruch kriecht durch die Küche, den Flur, die Treppe hoch. Das Kind kommt verschlafen runter, Haare in alle Richtungen, Augen halb zu, aber die Nase funktioniert.
"Brioche?"
"Brioche."
Sie setzt sich an den Esstisch. Du hebst den Kopf, schaust zum Ofen, schaust zu mir, legst den Kopf wieder ab. Du weißt, es dauert noch. Du hast ein besseres Zeitgefühl für Backwaren als ich für Meetings.
Wenn ich die Brioche raushole, ist die Kruste goldbraun und der Dampf steigt auf wie ein Versprechen. Das erste Stück bricht ab, fällt auf den Boden - Zufall, natürlich - und du bist schneller als die Schwerkraft.
Ich gebe dir ein Stück hartes Brot vom Vortag. Dein Nachtisch zum Nachtisch. Du kaust mit dieser konzentrierten Seligkeit, bei der dein ganzer Körper mitschwingt und deine Augen glasig werden, als wärst du in einer anderen Dimension - einer Dimension, in der es nur Brot gibt.
Dieses Ritual gibt es seit Jahren. Jeden Sonntag. Ohne Ausnahme.
Und dann setze ich mich an den Laptop. Die Tabelle. Die Arche.
Du bleibst am Ofen. Ich schaue zweimal hin, ob du kommst. Du kommst nicht. Du liegst da, Nase Richtung Ofentür, als könntest du den Geruch konservieren. Erst als die Wärme nachläesst - vielleicht zwanzig Minuten später, vielleicht eine halbe Stunde - stehst du auf, streckst dich, und legst dich vor die Balkontür. In den Sonnenstreifen. Als wäre das dein zweiter Arbeitsplatz und der Ofen der erste.
Die Frau steht in der Küchentür. In der einen Hand die Kaffeetasse, in der anderen ein Stück Brioche, und sie atmet den Dampf ein, der aus der Tasse und vom Brot gleichzeitig aufsteigt, als wäre das eine Übung. Sie schaut von dir zu mir. Sagt nichts.
Fünf Minuten später. Ich sitze in der Tabelle, Gewichtsoptimierung, Spalte D. Dann trifft es mich. Leise, aber verheerend. Ein Geruch, der nichts mit Brioche zu tun hat.
"Oh Gott."
Die Frau aus der Küche: "Das war nicht ich."
Das Kind vom Esstisch: "IGITT!"
Du wedelt.
Zweihundert Grad in einem Transporter
Das Problem ist nicht, dass es keine Öfen für Wohnmobile gibt. Das Problem ist, dass jeder einzelne davon irgendeinen Haken hat.
Ich bin Koch. Hobbybäcker. Ich bin der Typ, der um fünf Uhr dreiundvierzig aufsteht, um Hefeteig zu kneten. Ich bin der Typ, der seinen eigenen Sauerteig füttert - ja, er hat einen Namen, nein, ich sage ihn nicht, weil es peinlich genug ist, dass ein erwachsener Mann mit einem Glas Mehlpampe redet. Ich bin der Typ, der auf Campingplätzen Pizza macht, während alle anderen Dosenwürstchen aufwärmen.
"Du willst einen BACKOFEN in einen TRANSPORTER einbauen?"
Die Frau stand in der Küche. Die Kaffeetasse dampfte in ihrer Hand, und sie hielt sie so nah ans Gesicht, dass der Dampf ihre Brille beschlug. Aber sie trank nicht. Sie wartete.
"Nicht direkt einen Backofen. Eher eine... Backlösung."
"Eine Backlösung."
"Ja."
"Für Brioche."
"Unter anderem."
"In einem Kastenwagen."
Pause.
"Wenn du es so sagst, klingt es bescheuert."
"Es klingt bescheuert, weil es bescheuert ist."
Sie hatte nicht unrecht. Aber ich bin auch der Typ, der eine Fußbodenheizung in einen Transporter einbauen will, also war die Messlatte für "bescheuert" ohnehin schon ziemlich hoch.
Der Wallas und warum vierundzwanzig Kilo zu viel sind
Zuerst die ehrliche Lösung. Ein echter Backofen. Für Boote und Camper gibt es den Wallas 86D - einen Diesel-Backofen mit Umluft. Kein Gas, kein Strom aus dem Wechselrichter. Diesel aus dem Tank, 0,1 bis 0,25 Liter pro Stunde, 12 Volt Zündung, fertig.
Klingt perfekt.
Kostet 1.500 bis 2.000 Euro. Wiegt vierundzwanzig Kilogramm. Und ist so groß wie ein mittlerer Koffer: 475 mal 472 mal 380 Millimeter.
Vierundzwanzig Kilo.
Ich habe die Tischgrill-Teigmaschine gestrichen, weil sie zu viel Platz braucht. Ich habe den Tischgrill gestrichen, weil er zu viel Platz braucht. Und jetzt soll ich vierundzwanzig Kilo Backofen in einen Kastenwagen stellen, in dem jedes Kilogramm zählt, weil die 3,5-Tonnen-Grenze nicht verhandelbar ist (siehe: Dreieinhalb Tonnen), weil die Frau nicht LKW-Führerschein machen will, und weil die Physik kein Erbarmen kennt?
Mein System hatte drei Backofen-Optionen verglichen, bevor ich den ersten Kaffee hatte. Datenblatt, Forum, YouTube-Review, noch ein Forum, ein norwegischer Blog mit Fotos von Wallas-Einbauten in Segelbooten - alles durchgearbeitet und in eine saubere Tabelle gepackt. Gewicht, Maße, Dieselverbrauch, Installationsanforderungen, Erfahrungsberichte. "Schön, dass wenigstens einer von euch beiden früh aufsteht," sagte die Frau später, und ich war mir nicht sicher, ob sie mich meinte oder die Maschine.
Ich habe den Wallas trotzdem zwei Tage lang in der Tabelle behalten. Aus sentimentalen Gründen.
Dann habe ich ihn gelöscht.
"Du hast gerade drei Stunden für einen Backofen recherchiert und es als Machbarkeitsstudie verkauft." Die Frau stand im Türrahmen.
"Professionelle Terminologie."
"Professionelle Vermeidung."
Du hast dabei neben dem Esstisch gelegen und geschlafen. Dir war das egal. Dir ist alles egal, solange irgendwann etwas vom Tisch fällt.
Funktioniert der Omnia Backofen auf Induktion?
Nein - der Omnia Camping Backofen funktioniert auf Gas, Ceran und Grill, aber nicht auf Induktion, weil Bauform und Material inkompatibel sind. Wenn man "Backen im Wohnmobil" googelt, kommt man nicht am Omnia Camping Backofen vorbei. Anderthalb Kilo. Dreiundvierzig Euro. Ein Aluminium-Topf mit Loch in der Mitte, der auf die Kochstelle kommt und durch Hitze von unten plus Deckel-Reflektion eine Art Mini-Ofen simuliert.
Jeder Vanlife-Blog schwört drauf. Zimtschnecken im Omnia. Lasagne im Omnia. Brot im Omnia. Es gibt Instagram-Accounts, die sich ausschließlich dem Omnia widmen. Menschen fotografieren Muffins in diesem Ding, als wäre es der Heilige Gral des mobilen Backens.
Nur: Der Omnia funktioniert nicht auf Induktion.
Gas, Ceran, Grill - alles kein Problem. Aber Induktion? Nein. Die Bauform passt nicht, das Material spielt nicht mit, der Omnia und die Induktionskochplatte sind wie Katze und Wasser. Technisch inkompatibel.
Und ich habe kein Gas. Kein Gas war Regel Nummer eins. Kein Gas, weil ich nachts in Barcelona wach gelegen habe und das Klicken der Gasheizung gehört habe und gedacht habe: Was, wenn das Ding leckt? Kein Gas. Punkt.
Also: kein Omnia.
Das Kind hat das am Esstisch gehört und gesagt: "Und was ist mit Pfannkuchen?"
Pfannkuchen brauchen keinen Ofen, habe ich gesagt.
"Aber Muffins?"
Das hat gesessen.
De Wonderpan: Gusseisen und Hoffnung
Und dann fand ich die De Wonderpan.
Eine gusseiserne Pfanne mit einem speziellen Deckel, der die Hitze reflektiert. Anderthalb Kilo. Fünfzig Euro. Und - das ist der entscheidende Punkt - sie funktioniert auf Induktion. Induktion, Ceran, Gas, Grill, alles. Die Wonderpan ist das Schweizer Taschenmesser unter den Camping-Backgeräten.
Ich habe sie bestellt. Am selben Abend.
Die Frau hat die Augen verdreht. "Du testest jetzt Campingkochgeräte in unserer Küche?"
"Zu Forschungszwecken."
"Natürlich."
Erster Versuch: Brot. Einfaches Hefebrot, nichts Kompliziertes. Wonderpan auf die Induktionskochplatte, niedrige Stufe, Deckel drauf, warten.
Das Ergebnis: Eine knusprige Kruste. Ein weiches Inneres. Es roch nach Brot und nach Gusseisen und nach - tatsächlich - fast wie zu Hause. Fast. Nicht ganz. Aber fast.
Du hast neben der Wonderpan gesessen. Genau wie neben dem Ofen. Selbe Stelle, anderes Gerät. Selbe Erwartungshaltung.
Zweiter Versuch: Muffins. Papierförmchen in die Wonderpan, Teig rein, Deckel drauf. Mittlere Hitze.
Der Boden wurde zu heiß. Die Unterseite der Muffins war schwarz, die Oberseite noch feucht. Gusseisen leitet Hitze anders als ein Backofen mit Umluft. Es gibt keine gleichmäßige Verteilung. Es gibt unten zu viel und oben zu wenig, und dazwischen liegt der schmale Grat zwischen "funktioniert" und "Müll".
Ich habe die Temperatur angepasst. Niedrigere Stufe. Längere Backzeit. Dritter Versuch: Muffins, Teil zwei. Besser. Nicht perfekt. Aber essbar.
"Die schmecken anders," sagte das Kind.
"Anders gut oder anders schlecht?"
Stille. Ein Biss. Kauen. Nachdenken. Nochmal kauen.
"Anders... anders."
Ich wusste nicht, ob das ein Lob war.
Dritter Versuch. Der große. Pizza. Teig ausrollen, auf den Boden der Wonderpan, Tomatensoße, Mozzarella, Basilikum. Deckel drauf. Volle Hitze.
Der Rauchmelder ging los.
Der Rauchmelder in der Küche, wohlgemerkt. Nicht der im Flur. Der in der Küche, direkt über dem Herd, wo er immer losgeht, wenn ich anständig koche, aber diesmal mit gutem Grund, weil die Gusseisenpfanne bei voller Induktionsleistung den Käse nicht schmilzt, sondern den Boden verkohlt, und verkohlter Pizzaboden produziert Rauch, und Rauch produziert Rauchmelder-Alarm, und Rauchmelder-Alarm produziert die Frau in der Küchentür.
Verschränkte Arme.
"Du testest wirklich JEDES Backgerät in unserer Küche?"
Zweihundertfünfzig Watt Hoffnung aus Australien
Nach dem Rauchmelder-Vorfall habe ich weiter recherchiert. Weil das ist es, was ich tü. Wenn etwas nicht funktioniert, google ich es.
Es gibt einen 12-Volt-Air-Fryer. Den Rockarmor 12V Air Fryer aus Australien. Drei Liter Volumen. Zweihundertfünfzig Watt. Das ist wenig genug, um ihn über den vorhandenen 48-auf-12-Volt-Wandler zu betreiben. Kein Wechselrichter nötig. Kein 230-Volt-Netz. Einfach anschliessen und backen.
Brötchen? Funktioniert. Muffins? Knapp, aber machbar. Pommes? Ja. Gemüse? Ja. Aufläufe? Klein, aber ja.
Pizza?
Zu groß. Drei Liter Volumen. Eine Pizza passt da nicht rein. Nicht einmal eine kleine.
Energieverbrauch: dreißig Minuten gleich hundertfünfundzwanzig Wattstunden aus der Batterie. Bei 14,3 Kilowattstunden Gesamtkapazität sind das weniger als ein Prozent. Das ist machbar. Das ist mehr als machbar. Das ist lächerlich wenig.
Aber die fehlenden zwanzig Prozent. Die zwanzig Prozent, die der Air Fryer nicht abdeckt. Die zwanzig Prozent, die Brioche heißen. Und Sauerteigbrot mit knuspriger Kruste. Und Pizza am Campingplatz, wenn die Sonne untergeht und die Luft nach Piniennadeln riecht und das Kind sagt: "Papa, machst du wieder deine Pizza?"
Diese zwanzig Prozent. Die tun weh.
Die 230-Volt-Option, die alles verkompliziert
Es gäbe noch den Weg über einen richtigen Wechselrichter. Den Victron MultiPlus-II 48/3000 - neunzehn Kilo, fünfhundert Euro - der aus meiner 48-Volt-Batterie echten Haushaltsstrom macht. Zweihundertdreißig Volt. Wie zu Hause.
Damit könnte ich einen Combination Oven betreiben. Mikrowelle plus Konvektion plus Grill in einem. Achthundert Watt. Zwanzig Liter Volumen. Zwanzig Minuten im Kombi-Modus gleich dreihundert Wattstunden. Das ist ein richtiger Ofen-Ersatz. Damit geht alles: Brot, Muffins, Aufläufe, Pizza.
Und Brioche.
Aber: neunzehn Kilo. Fünfhundert Euro. Für einen Wechselrichter, den ich sonst für nichts brauche. Der Kühlschrank läuft auf 12 Volt. Die Heizung auf Diesel. Das Licht auf 12 Volt. Alles im System ist Gleichstrom. Der einzige Grund für 230 Volt wäre: Papa will backen.
Die Frau hat das durchschaut. Natürlich hat sie das durchschaut. Sie durchschaut alles.
"Fünfhundert Euro und neunzehn Kilo für Brioche?"
"Nicht nur für Brioche. Auch für Pizza. Und Brot. Und Aufläufe. Und--"
"Für Brioche."
Stille.
"Ja. Hauptsächlich für Brioche."
Du bist traurig wegen einem Backofen
Es war später Abend. Das Kind war im Bett. Du lagst auf meinen Füßen, auf den Socken, die noch nach Mehlstaub rochen, und ich saß am Esstisch und starrte auf die Tabelle. Die Tabelle, in der die Spalte "Backofen" leer war.
Die Frau setzte sich dazu. Ohne Kaffeetasse, was ungewöhnlich war. Einfach so. Hände auf dem Tisch.
"Du bist traurig wegen einem Backofen."
"Ich bin nicht traurig. Ich bin... realistisch."
"Du bist traurig."
Pause. Eine lange Pause. Du hast im Schlaf geseufzt. So tief, dass mein rechter Fuß vibriert hat.
Ja. Ein bisschen.
Es ist ja nicht der Backofen.
Rituale in einen Transporter zu packen ist wie versuchen, den Geruch von frischem Brot in ein Einmachglas zu füllen. Es geht theoretisch. Aber es ist nicht dasselbe.
"Es ist sein Ritual," hätte ich gesagt, wenn ich über jemand anderen geredet hätte. Aber ich rede über mich. Und über mich rede ich ungern.
"Hm," sagte die Frau. Nur das. Hm. Und dann legte sie ihre Hand auf meine. Kurz. Und dann stand sie auf und ging ins Bett.
Die Rechnung, die kein Ergebnis hat
Also habe ich das gemacht, was ich immer mache, wenn ich nicht weiter weiß. Ich habe eine Tabelle gebaut.
| Lösung | Gewicht | Kosten | Brioche? | Strom | Bewertung |
|---|---|---|---|---|---|
| Wallas 86D Diesel-Ofen | 24,5 kg | 1.500-2.000 EUR | Ja | 12V, 1,6A | Zu schwer. Nein. |
| Omnia Camping Backofen | 1,5 kg | 43 EUR | Ja | Braucht Gas | Kein Gas. Nein. |
| De Wonderpan auf Induktion | 1,5 kg | 50 EUR | Nein | Induktion 1.200W | Brot ja, Brioche nein |
| Rockarmor 12V Air Fryer | 5 kg | 120-180 EUR | Nein | 250W, 12V DC | 70-80% Abdeckung |
| 230V Combination Oven | 12 kg | 150-250 EUR | Ja | 800W, braucht MultiPlus | +19 kg + 500 EUR Wechselrichter |
| KickAss 12V Reise-Ofen | 4 kg | 150-200 EUR | Nein | 130W, 12V | 2h für Pizza. Nein. |
Ich habe die Tabelle eine halbe Stunde angestarrt.
Jede Lösung hat einen Haken. Jede einzelne. Der Diesel-Ofen wiegt so viel wie das Kind. Der Omnia braucht Gas. Die Wonderpan kann keine Brioche. Der Air Fryer ist zu klein. Der Combination Oven braucht einen Wechselrichter, der neunzehn Kilo wiegt und fünfhundert Euro kostet. Und der KickAss 12V braucht zwei Stunden für eine Pizza - zwei Stunden, in denen das Kind dreimal "Ist die Pizza bald fertig?" fragt und du dreimal den Kopf hebst und ihn dreimal wieder fallen lässt.
Es gibt keine perfekte Lösung. Es gibt nur Kompromisse mit unterschiedlichen Mängeln.
Perfekt ist der Feind von gut genug
Voltaire hat das gesagt. Oder jemand, der es Voltaire in den Mund gelegt hat. Egal. Wer auch immer es war, er hatte recht.
Die Wonderpan macht kein Brioche. Aber sie macht Brot. Knuspriges, duftendes, ehrliches Brot. Brot, das nach Gusseisen riecht und nach Abenteuer und nach: Es ist nicht perfekt, aber es reicht.
Der Air Fryer macht keine Pizza. Aber er macht Brötchen. Und Muffins, wenn man die Temperatur im Griff hat. Und Gemüse-Chips für das Kind. Und aufgebackene Croissants am Sonntagmorgen, wenn die Sonne durch die Scheibe fällt und der Campingplatz noch schläft.
Zusammen decken sie neunzig Prozent ab. Wonderpan für Brot und alles, was eine flache Hitze verträgt. Air Fryer für alles, was heiße Luft braucht. Gesamtgewicht: sechseinhalb Kilo. Gesamtkosten: zweihundert Euro. Kein Wechselrichter. Kein Gas. Kein vierundzwanzig-Kilo-Diesel-Ofen.
Die fehlenden zehn Prozent heißen Brioche.
Und vielleicht - vielleicht - reicht Brot. Vielleicht reicht ein Sonntagmorgen auf einem Stellplatz irgendwo in Norwegen, wo die Luft nach Fjord riecht und der Kaffee auf der Induktionsplatte blubbert und die Wonderpan ein Brot ausspuckt, das nicht perfekt ist, aber warm, und das Kind die Kruste abknibbelt und du daneben sitzt und auf Krümeln wartest.
Vielleicht reicht das.
"Perfekt ist der Feind von gut genug," habe ich am Esstisch gesagt.
"Das hat Papa Einstein nicht gesagt," sagte die Frau.
"Voltaire."
"Egal. Er hatte recht."
Am Ende sind es die Krümeln
Du sitzt neben dem Ofen und wartest auf Brioche-Krümeln. In der Arche wirst du neben der Wonderpan sitzen und auf Brot-Krümeln warten. Und wenn ich irgendwann den Air Fryer anwerfe, wirst du daneben sitzen und auf Brötchen-Krümeln warten.
Dir ist egal, woher sie kommen.
Dir sind Krümeln Krümeln. Die Quelle ist irrelevant. Nur die Krümeln zählen.
Ich sitze am Esstisch. Das Brioche-Rezept liegt vor mir, Mehlflecken und dein Pfotenabdruck. Draußen ist es dunkel. Der Ofen kühlt ab. Es riecht nach Brot und, ja, ein bisschen nach verbranntem Muffin vom dritten Versuch.
Du liegst vor der Balkontür. Du bist irgendwann vom Ofen dahin gewandert, lautlos, wie du das machst. Der Ofen ist kalt. Die Balkontür hat den letzten Sonnenstreifen. Du folgst der Wärme, nicht mir. Das würde mich kränken, wenn es nicht so ehrlich wäre.
Ich schaue auf das Rezept. Hundertfünfundzwanzig Gramm Butter, Raumtemperatur. Daneben dein Pfotenabdruck.
Vielleicht mache ich in der Arche keine Brioche. Vielleicht mache ich Brot. Vielleicht reicht Brot. Vielleicht ist Brot sogar besser, weil Brot ehrlich ist und einfach und nicht versucht, etwas zu sein, was es nicht ist.
Oder vielleicht kaufe ich doch irgendwann den Wechselrichter. Neunzehn Kilo. Fünfhundert Euro. Für Brioche.
Die Frau würde die Augen verdrehen. Das Kind würde jubeln. Und du? Du würdest neben dem Combination Oven sitzen und warten.
Wie immer.
Mein lieber Hund,
dir ist egal, ob das Brot aus dem Ofen kommt oder aus der Wonderpan. Dir ist egal, ob der Muffin perfekt ist oder angebrannt. Dir sind Krümeln Krümeln. Die Quelle ist irrelevant.
Vielleicht sollte ich öfter auf dich hören.
Aber vorher muss ich noch kurz diese Tabelle fertig machen.
Dein Herrchen
P.S.: Du riechst nach Brot. Dein ganzes Fell. Ich habe das Stück unter dem Sofa gefunden. Ich habe es dir trotzdem gelassen.
Häufig gestellte Fragen
Kann man im Wohnmobil richtig Brot backen?
Ja. Die De Wonderpan (Gusseisen, 1,5 Kilogramm) auf der Induktionskochplatte erzeugt eine knusprige Kruste und ein weiches Inneres. Man muss die Temperatur niedrig halten und länger backen als im Hausofen, aber das Ergebnis ist echtes Brot - kein Aufbackbrötchen.
Warum funktioniert der Omnia Backofen nicht auf Induktion?
Der Omnia besteht aus Aluminium und hat einen Untersatz, der nicht ferromagnetisch ist. Induktionskochfelder brauchen ferromagnetisches Material im Topfboden, um das Wechselfeld in Wärme umzuwandeln. Eine magnetische Adapterplatte könnte theoretisch helfen, aber die offizielle Empfehlung ist: Gas, Ceran oder Grill.
Wie viel wiegt ein Diesel-Backofen für Wohnmobile?
Der Wallas 86D aus Finnland wiegt 24,5 Kilogramm und kostet 1.500 bis 2.000 Euro - das ist schwerer als der Wechselrichter, den man durch ein DC-Kochfeld einsparen wollte. Für Kastenwagen mit 3,5-Tonnen-Grenze ist das kaum praktikabel, aber für größere Wohnmobile oder Segelboote eine solide Lösung.
Was deckt ein 12V Air Fryer im Camper ab?
Der Rockarmor 12V Air Fryer (250 Watt, 3 Liter, 5 Kilogramm) schafft Brötchen, Muffins, Gemüse und kleine Aufläufe. Dreißig Minuten Betrieb verbrauchen nur 125 Wattstunden - unter ein Prozent der Batterie. Pizza und größere Backwaren passen allerdings nicht in das Drei-Liter-Volumen.
Reicht die Kombination aus Wonderpan und Air Fryer zum Backen?
Zusammen decken sie etwa neunzig Prozent der Camping-Backbedürfnisse ab: Wonderpan für Brot, Bratkartoffeln und alles mit flacher Hitze, Air Fryer für Brötchen und Heißluft-Gerichte. Gesamtgewicht sechseinhalb Kilogramm, Gesamtkosten rund 200 Euro. Die fehlenden zehn Prozent sind Brioche und große Kuchen.
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