Zwei Proben auf dem Esstisch
Es war Mittwochabend. Das Kind saß noch am Tisch und malte, die Mama stand in der Küche und füllte den Wasserkocher, und ich breitete die beiden Dämmstoff-Muster auf dem Esstisch aus wie Beweisstücke vor Gericht. Links der Angeklagte: Armaflex. Rechts die Alternative: Isolena Optimal.
"Fass mal an," sagte ich zur Mama, als sie mit dem Tee zurückkam.
Sie stellte die Tasse ab. Griff nach dem schwarzen Stück. Drückte es zwischen Daumen und Zeigefinger. Es gab nach, federnd, künstlich, wie Moosgummi.
Dann die Wolle. Sie rieb sie zwischen den Fingern. Langsam. So, wie man einen Stoff prüft, bevor man ihn kauft.
"Weich," sagte sie. "Kratzt nicht."
"Alpenschafwolle. Österreich, Deutschland, Schweiz. Dreimal gewaschen. Ionic-Protect-Behandlung gegen Motten."
"Motten." Sie legte die Wolle hin. "Du willst ein Auto mit Wolle auskleiden, und ich soll mir keine Sorgen um Motten machen."
"Borsalz. Plasmaionisch aufgebracht. Biozidfrei. Die Motten verhungern."
"Charmant."
Das Kind schaute von seiner Zeichnung auf. "Aus was ist die schwarze?"
"Synthetischer Kautschuk. Armaflex AF. Das ist der Standard. Neunzig Prozent aller Wohnmobil-Ausbauer nehmen das."
"Und wir nicht?"
"Wir nicht."
"Warum?"
Gute Frage. Die beste Frage. Und die Antwort hat nichts mit Lambda-Werten zu tun.
Was passiert mit zweieinhalb Litern Feuchtigkeit pro Nacht?
Vier Menschen. Ein Hund. Sechs Meter. Jede Nacht.
Jeder Mensch atmet im Schlaf einen halben Liter Wasser aus. Die Mama, ich, das Kind - anderthalb Liter. Dazu kommst du, mein Freund. Hunde sind keine Kamele, du hächelst und atmest und tränkst die Luft mit Feuchtigkeit, als wärst du ein pelziger Luftbefeuchter. Sagen wir: noch mal ein halber Liter. Dazu Kochen. Dazu die nasse Jacke, die am Haken hängt. Dazu der Atem, der sich an der Fensterscheibe niederschlägt, wenn es draußen kalt wird.
Zweieinhalb Liter. Jede Nacht. In einem Raum, der kleiner ist als unser Badezimmer.
Und jetzt stell dir vor - obwohl du das nicht tun wirst, weil du schnarchst --, was passiert, wenn diese zweieinhalb Liter Feuchtigkeit auf eine Wand treffen, hinter der ein Stahlblech liegt. Kaltes Stahlblech. Minus fünf Grad außen. Und zwischen dem warmen Innenraum und dem kalten Blech eine Schicht Dämmstoff.
Hier trennen sich die Wege. Und hier entscheidet sich, ob der Kasten in drei Jahren noch ein Wohnmobil ist oder eine Petrischale.
Der Irrtum mit der Plastikfolie
Die meisten Ausbauer machen Folgendes: Sie kleben Armaflex aufs Blech. Direkt drauf, selbstklebende Rückseite, fertig. Armaflex ist eine Dampfsperre. Es lässt nichts durch. Kein Wasser, kein Dampf, nichts. Der sd-Wert - ein Maß dafür, wie stark ein Material Wasserdampf bremst - liegt bei über 1.500 Metern. Fünfzehnhundert. Das heißt: Dieses Material ist so dicht wie anderthalb Kilometer Luft.
"Klingt doch gut," sagte die Mama. "Nichts kommt durch."
"Klingt gut. Ist es auch. In einem Haus."
"Aber nicht in einem Kasten?"
"Nicht in einem Kasten, der morgens in der Sonne steht und abends im Frost."
In einem Haus ist die Dampfsperre auf der warmen Seite. Immer. Die Feuchtigkeit kommt von innen, die Dampfsperre hält sie auf, fertig. Aber ein Wohnmobil steht nicht still. Morgens scheint die Sonne aufs Dach, das Blech wird warm, und plötzlich ist die warme Seite außen. Die Physik dreht sich um. Die Feuchtigkeit, die sich in der Nacht als Kondensat zwischen Armaflex und Blech gesammelt hat - dort, wo die Dampfsperre sie festhält --, kann nicht zurück. Sie sitzt fest. Zwischen zwei dichten Schichten. Und dort fault sie.
Stille am Esstisch. Die Mama drehte die Teetasse.
"Also die Dampfsperre sperrt die Feuchtigkeit ein?"
"Genau."
"Und dann?"
"Dann gammelt es. Hinter der Verkleidung. Dort, wo man es nicht sieht. Bis der Rost durch das Blech frisst."
Das Kind schaute auf. "Eklig."
"Sehr."
Stille. Das Kind legte den Stift hin. Schaute auf das schwarze Stück Armaflex. Dann zu mir.
"Papa, wieso sollen wir denn in einer Plastiktüte leben? Da bekommt das Womo doch auch keine Luft." Pause. "Und wir?"
Ich schaute zur Mama. Die Mama schaute in ihren Tee.
Du hast unter dem Tisch geschnaubt. Im Schlaf. Vermutlich hatte dein Traum nichts mit Dampfdiffusion zu tun. Aber das Timing war perfekt.
Atmen statt ersticken
Jetzt kommt der Teil, der kontraintuitiv ist. Der Teil, bei dem die Mama den Stift hingelegt hat - denselben Stift, den sie später bei den Zonenventilen hinlegen würde (siehe: Hausstrecke gibts nicht) - und gesagt hat: "Warte. Wir lassen Feuchtigkeit DURCH die Wand? Absichtlich?"
Ja. Genau das.
Diffusionsoffen. Das ist das Wort. Es bedeutet: Die Wand darf atmen. Feuchtigkeit darf wandern. Von innen nach außen, durch die Dämmung, bis ans Blech, und dort verdunsten. Kein Einschliessen. Kein Stau. Kein Gammeln.
Der Schichtaufbau, von außen nach innen:
Zuerst das nackte Stahlblech. Darauf vier Millimeter Sprühkork - Soliege Natural, ein französisches Produkt, Korkpulver mit Wasser gemischt, per Kompressor aufgespritzt, drei bis vier Schichten. Der Kork schließt jede Ritze, jede Sicke, jede Ecke, die man mit Plattenware nie erreichen würde. Und er ist diffusionsoffen. sd-Wert: 0,015 Meter. Das ist praktisch Luft. Der Kork hält kein Wasser auf. Er puffert nur das Kondensat, das sich direkt am Blech bildet, und gibt es wieder ab.
Darauf vierzig Millimeter Schafwolle. Isolena Optimal. Lambda 0,038 Watt pro Meter mal Kelvin. Fast identisch mit Armaflex, das 0,035 schafft. Aber hier kommt der Trick, den Kunststoff nicht kann: Schafwolle nimmt dreiunddreißig Prozent ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit auf. Ein Drittel. Und dämmt trotzdem weiter. Nur fünf Prozent Leistungsverlust, während Armaflex bei Nässe fünfzehn bis zwanzig Prozent einbüsst.
Dann drei Millimeter Bühnen-Molton. Schwarze Baumwolle, Brandschutzklasse B1, dahinter laufen die Kabel.
Zwanzig Millimeter Luftspalt. Stehende Luft. Dämmt von allein.
Und schließlich zehn Millimeter Holzleisten. Pappelsperrholz, fünf Zentimeter breit, mit zwei Zentimetern Lücke dazwischen. Skandinavisch. Wie eine Sauna. Nur auf Rädern.
"Siebenundsiebzig Millimeter," sagte die Mama. "Das ist dicker als Armaflex."
"Fünfzig Millimeter dicker."
"Und schwerer."
"Dreieinhalb Kilo pro Quadratmeter. Armaflex schafft anderthalb."
"Und teurer."
"Drei- bis viermal."
Pause. Die Mama nippte am Tee. Das Kind hatte aufgehört zu malen und schaute zwischen uns hin und her wie bei einem Tennismatch.
"Und warum machen wir das trotzdem?"
"Weil der Kasten atmet."
Die Zahl, die über Komfort entscheidet
Jetzt muss ich dir etwas erklären, mein lieber Hund, was du nie brauchen wirst, weil du überall schläfst, wo es warm ist, und überall frierst, wo es kalt ist, ohne auch nur eine Sekunde darüber nachzudenken, warum. Der R-Wert.
R steht für Wärmedurchlasswiderstand. Quadratmeter mal Kelvin pro Watt. Je höher die Zahl, desto besser bleibt die Wärme drinnen. Oder die Kälte draußen. Je nach Perspektive.
Unser Wandaufbau - Sprühkork, Schafwolle, Molton, Luftspalt, Holz - kommt auf R 1,60. Das klingt nach einer abstrakten Zahl. Ist es auch. Aber hier ist, was sie bedeutet:
Standard-Armaflex, neunzehn Millimeter, direkt aufs Blech: R 0,80. Die meisten Camper da draußen. Millionen davon.
Unser Aufbau: R 1,60. Doppelt so gut. Halbierter Wärmeverlust. Mit vier Zentimetern Schafwolle als Hauptdarsteller, die allein 65,8 Prozent des gesamten R-Werts liefert.
Ich habe das dem Kind erklärt. Mit einer Analogie, die mir um Mitternacht eingefallen ist.
"Stell dir vor, die Wand ist eine Jacke. Armaflex ist eine Windjacke. Dünn, dicht, hält den Wind ab. Aber wenn du schwitzt, wird sie nass, und dann frierst du erst recht."
"Und die Schafwolle?"
"Ein Wollpullover. Dicker. Aber er atmet. Und selbst wenn er nass wird, hält er warm."
Das Kind nickte. "Also wie Omas Pullover."
"Genau wie Omas Pullover. Nur aus Alpenschafen statt aus Omas Schrank."
"Omas Pullover kratzt aber."
"Dieser nicht."
Die Neunjährige griff nach der Wollprobe. Rieb sie zwischen den Fingern. Hielt sie an die Wange. "Stimmt. Kratzt nicht." Dann hielt sie sie dir hin. Du hobst den Kopf. Schnüffeltest. Ließest den Kopf wieder fallen.
"Der findet Schafe langweilig," sagte das Kind.
469 Watt - Wärmeverlust bei minus fünf Grad
Die Rechnung. Ich muss dir die Rechnung erzählen, auch wenn du sie nicht hören willst, weil sie der Grund ist, warum ich nachts um zwei mit dem Taschenrechner am Esstisch sitze, während du auf meinen Füßen schläfst und die Mama längst im Bett liegt.
Der Boxer L3H3 hat ungefähr dreißig Quadratmeter Oberfläche, die gedämmt werden müssen. Fünfzehn Quadratmeter Wände. Acht Quadratmeter Dach. Sieben Quadratmeter Boden. Minus fünf Grad außen. Zwanzig Grad innen. Temperaturdifferenz: fünfundzwanzig Grad.
Mit unserem Aufbau - R 1,60 - verliert der Kasten durch die gedämmten Flächen 469 Watt. Vierhundertneunundsechzig. Das ist weniger als ein Wasserkocher. Weniger als ein Föhr. Weniger als der Heizlüfter, den die Mama im Badezimmer anmacht, wenn es im November kalt wird.
Mit Armaflex wären es 937 Watt. Das Doppelte. Für denselben Kasten, dieselbe Temperatur, dieselbe Nacht.
"Und was ist mit den Fenstern?", fragte die Mama. Sie war doch noch wach. Stand im Türschlitz, Schlafanzug, verschränkte Arme, dieser Blick.
"Die Fenster sind Wärmebrände. Die kommen obendrauf. Realistisch dreißig bis fünfzig Prozent mehr Verlust. Also vielleicht siebenhundert Watt insgesamt."
"Und die Heizung?"
"Fünftausend Watt."
Stille. Dann: "Das ist siebenmal mehr als der Kasten verliert?"
"Zehnmal mehr als die Wände. Siebenmal mehr als alles zusammen."
"Also Luft nach oben."
"Buchstäblich."
Sie nickte. Ging zurück ins Schlafzimmer. Im Türschlitz drehte sie sich noch einmal um: "Mach das Licht aus, wenn du fertig bist."
Ich war nicht fertig. Aber das Licht machte ich trotzdem aus. Irgendwann.
Diesel, kein Gas
Halb drei morgens. Irgendwo zwischen Barcelona und Girona. Die Gasheizung des Miet-WoMos klickte. Alle fünfzehn Minuten. Klick. Flamme. Stille. Klick.
Das habe ich dir schon erzählt (siehe: Warum eigentlich?). Die Nacht, in der ich nicht schlafen konnte, weil ein einziger undichter Schlauch die ganze Familie hätte vergiften können. Ein Single Point of Failure, und ich lag daneben und zählte das Klicken.
Kein Gas. Das war die erste Entscheidung. Noch bevor ich wusste, welche Dämmung, welche Batterie, welches Fahrzeug. Kein Gas.
Die Eberspaecher Hydronic S3 D5E nimmt sich Diesel. Aus dem Fahrzeugtank. Dem Tank, der sowieso da ist. Fünf Kilowatt Heizleistung. 24 Volt. Verbrauch im Eco-Modus: 0,15 Liter pro Stunde. Im Vollbetrieb 0,59 Liter. Acht Stunden Nachtbetrieb kosten anderthalb bis zwei Liter. Der Tank fasst neunzig Liter.
Fünfundvierzig Nächte aus einer Tankfüllung. Im Eco-Modus. Rechnerisch. Realistisch vielleicht dreißig, weil man auch fahren will. Aber dreißig Nächte Heizen, ohne an einer Tankstelle zu stehen - das ist der Unterschied zwischen "wir müssen" und "wir können."
"Und es klickt nicht?", fragte die Mama beim Frühstück.
"Es klickt nicht. Kein Gas. Keine Flamme im Wohnraum. Keine Flasche, die in Portugal leer wird, weil die deutschen Anschlüsse nicht passen."
"Und im Sommer?"
"Bleibt aus. Diesel ist Diesel, der steht nicht unter Druck, explodiert nicht, gefriert nicht."
"Butan gefriert?"
"Bei minus 0,5 Grad."
Die Mama stellte die Kaffeetasse ab. "Also bei der ersten kalten Nacht in Norwegen."
"Bei der ersten kalten Nacht in Norwegen."
Fünf Zonen, sechs Meter
Aber eine Heizung allein macht noch kein Konzept. Eine Heizung ist ein Motor. Ein Konzept ist das, was der Motor antreibt.
Die Eberspächer heizt Wasser. Nicht Luft. Wasser fließt durch Rohre, Rohre führen zu Wärmetauschern, Wärmetauscher geben Wärme ab. Lautlos. Ohne Gebläse, das dir das Fell austrocknet. Ohne heiße Luftströme, die den Staub aufwirbeln. Strahlungswärme. Wie die Fußbodenheizung zu Hause, nur in einem Kasten auf Rädern.
Und das Wasser fließt nicht einfach irgendwohin. Es fließt in fünf Kreisläufe. Fünf Zonen. Jede mit eigenem Thermostat. Jede mit eigenem Temperaturprofil.
Zone 1: Wohnraum. Der Alde-Konvektor unter dem Fenster, achthundert Watt, Aluminium, Strahlung plus Konvektion. Lautlos. Hier frühstücken wir. Hier sitzt die Mama mit der Kaffeetasse. Zwanzig Grad. Immer.
Zone 2: Cockpit. Fünfhundert Watt aus einem KFZ-Wärmetauscher, ein kleiner PWM-Lüfter dazu, leise geregelt. Die Windschutzscheibe frisst Wärme wie ein schwarzes Loch, ohne eigene Zone wäre hier bei minus fünf Eisschrank. Mit Zone ist hier kühler als hinten, aber die Scheibe beschlägt nicht. Das reicht.
Zone 3: Schlafbereich. Vierhundert Watt, kompakter Konvektor. Nachts auf sechzehn Grad runtergeregelt. Weil man bei zwanzig unter der Decke schwitzt und bei vierzehn früh aufwacht. Sechzehn ist der Kompromiss.
"Fünfzehn," sagte die Mama.
"Sechzehn."
"Fünfzehn. Ich schlafe besser bei kühler Luft."
"Verhandelbar."
"Nicht verhandelbar. Fünfzehn."
Notiert.
Zone 4: Keller. Unter dem Zwischenboden. Hier stehen Batterie und Wassertank. Ein Thermostat allein entscheidet: ein bei sechs Grad, aus bei zehn. Automatisch. Kein Mensch muss daran denken. Die LiFePO4-Batterie darf nicht unter null Grad geladen werden, Lithium mag keine Kälte. Und Wasser gefriert bekannterweise auch. Der Keller-Thermostat hält beides über der Grenze. Leise. Stur. Zuverlässig.
Zone 5: Brauchwasser. Der Boiler, geheizt über den Wasserkreislauf oder einen 24-Volt-Heizstab. Warme Dusche, warmes Spülwasser. Keine Gasflamme. Kein Risiko.
"Fünf Zonen?", sagte das Kind, das längst hätte schlafen sollen. Es stand barfuss in der Tür, den Schlafanzug schief, die Haare in alle Richtungen. "Für sechs Meter?"
"Fünf. Weil nicht jeder Ort gleich warm sein muss."
"Ist das wie in der Schule? Die Turnhalle ist kälter als das Klassenzimmer?"
Ich überlegte. "Genau so."
"Cool." Sie drehte sich um. Dann, über die Schulter: "Aber mein Bett muss warm sein."
"Sechzehn Grad."
"Und eine Decke."
"Und eine Decke."
Weg war sie. Barfuss die Treppe hoch, das Tappen auf dem Holz wie ein Metronom, das langsamer wird und dann verstummt.
Minus fünf Grad, eine Nacht
Also spielen wir es durch. Laut. Am Esstisch. Mit dir auf meinen Füßen.
Dezember. Irgendwo in den Dolomiten. Schnee auf dem Dach. Die Temperatur fällt. Minus fünf Grad. Die Nacht ist schwarz, die Sterne stehen, und der einzige Laut ist das leise Ticken des Motors, der auskühlt.
Acht Uhr abends. Wir kommen von draußen. Die Schuhe nass, die Jacken kalt, du schüttelst dich und verteilst Schneeflocken über den ganzen Eingangsbereich. Die Eberspächer läuft seit dem Nachmittag. Zone 1: zwanzig Grad. Die Wärme umschliesst uns, als würden wir in eine Decke fallen.
Zehn Uhr. Das Kind schläft. Zone 3 regelt auf fünfzehn Grad runter. Die Mama hat gewonnen. Zone 4 im Keller: sieben Grad, der Thermostat lässt den Heizkreis in Ruhe. Alles über fünf.
Mitternacht. Draußen minus acht. Drinnen: fünfzehn Grad im Schlafbereich, achtzehn im Wohnraum, acht im Keller. Die Eberspächer schnurrt im Eco-Modus. 0,15 Liter pro Stunde. Kaum hörbar. Kein Klicken. Kein Fauchen.
Drei Uhr morgens. Du träumst in deinem Körbchen. Vier Pfoten zucken. Vermutlich rennst du über einen Strand. Die Luftfeuchtigkeit steigt - vier Körper, die atmen, zweieinhalb Liter bis zum Morgen. Die Schafwolle in den Wänden nimmt auf. Puffert. Dreiunddreißig Prozent ihres Eigengewichts, bevor sie auch nur einen Bruchteil ihrer Dämmleistung verliert.
Sechs Uhr. Draußen minus sechs. Die Sonne ist noch nicht da. Zone 3 springt auf achtzehn Grad. Die Mama steht auf, die Heizung hat vorgearbeitet. In zwanzig Minuten ist die Dusche warm.
Die Wände? Trocken. Kein Kondensat hinter der Verkleidung, weil es keins geben muss. Die Feuchtigkeit ist durch die Schafwolle diffundiert, durch den Kork, ans Blech - und wird im Laufe des Tages verdunsten, wenn die Sonne das Blech aufwärmt und die Physik sich umdreht.
"Und das funktioniert?", fragte die Mama am nächsten Morgen. Wir saßen nicht in den Dolomiten. Wir saßen am Esstisch in München, und sie hielt ihre Kaffeetasse wie ein Rettungsboot. Aber sie fragte. Und wenn sie fragt, hört sie zu.
"469 Watt Verlust durch die Wände. Siebenhundert mit Fenstern und Wärmebrücken. Fünftausend Watt Heizleistung. Die Eberspächer muss nicht einmal Halbgas geben."
"Und der Diesel?"
"Anderthalb Liter für die Nacht. Bei neunzig Litern im Tank."
"Wie viele Nächte?"
"Dreißig. Mindestens."
Die Mama nickte. Langsam. Und dann der Satz, den ich mir gemerkt habe, weil sie ihn so selten sagt: "Das klingt durchdacht."
Nicht "fast." Nicht "auf dem Papier." Durchdacht.
Ich habe den Taschenrechner zugeklappt und den Kaffee ausgetrunken. Er war kalt. Wie immer.
Drei Zentimeter - Wandaufbau von Blech bis Birke
Am Ende läuft alles auf drei Zentimeter hinaus. Vier, wenn ich grosszügig rechne. Vierzig Millimeter Schafwolle. So dick wie mein Daumen. So leicht, dass du die gesamte Dämmung des Wohnmobils tragen könntest, wenn du wolltest, was du nicht willst.
Drei Zentimeter Schaf zwischen uns und dem Winter.
Drei Zentimeter, die atmen statt ersticken. Die Feuchtigkeit aufnehmen statt einsperren. Die den Kasten nicht in eine Plastiktüte verwandeln, sondern in etwas, das lebt. Das reagiert. Das nachgibt und zurückkommt, wie Wolle das eben tut, seit Jahrtausenden, seit dem ersten Schaf, das auf dem ersten Berg stand und nicht erfroren ist.
Die Mama hat die Probe übrigens behalten. Sie liegt auf dem Nachttisch, neben dem Buch, das sie gerade liest. Manchmal, wenn ich nachts ins Schlafzimmer schleiche, nachdem der Taschenrechner endlich Ruhe gibt, sehe ich sie daliegen. Graubraun. Unscheinbar.
Aber warm.
Der Hund und die Probe
Du hast die Wolle ein zweites Mal beschnüffelt. Heute Abend, als ich die Proben wieder auf den Esstisch gelegt habe. Diesmal länger. Die Nase tief drin, die Nasenlöcher bebend, und für einen Moment - einen Moment nur - hast du die Ohren aufgestellt, als hättest du etwas gehört. Oder gerochen. Etwas Altes. Etwas, das nach Wiese klingt und nach Wind und nach einem Berg, auf dem ein Schaf steht.
Dann hast du die Nase rausgezogen. Hast geschnaubt. Hast dich zweimal um dich selbst gedreht und dich auf meinen Fuß gelegt. Genau auf den linken. Den warmen.
Du brauchst keine Dämmung, mein Freund. Du hast Fell.
Aber wir bauen dir trotzdem eine warme Kiste. Fünfzehn Grad nachts - gut, die Mama hat gesagt fünfzehn - und zwanzig am Tag, und einen Keller, der nicht einfriert, und Wände, die atmen wie du atmest: tief und feucht und gleichmäßig.
Du hast geseufzt. Auf meinem Fuß. Die Filzpantoffeln sind jetzt warm.
Dein Herrchen
P.S.: Die Armaflex-Probe liegt noch auf dem Esstisch. Die Schafwolle hat die Mama mitgenommen. Die schwarze Probe hat niemand vermisst. Gegen Mitternacht habe ich sie in die Recycling-Box gelegt. Du hast im Schlaf gezuckt. Vier Pfoten. Strand, nehme ich an.
Technische Zusammenfassung
Wandaufbau (innen nach außen)
| Schicht | Material | Stärke | Lambda | Funktion |
|---|---|---|---|---|
| Innenverkleidung | Birke-Multiplex | 6 mm | 0,15 | Splitterfest, kindertauglich |
| Dampfpuffer | Molton B1 | 3 mm | - | Feuchtigkeitspuffer |
| Dämmung | Isolena Optimal Schafwolle | 40 mm | 0,038 | Wärmedämmung, 33% Feuchtigkeitsaufnahme |
| Korrosionsschutz | Soliege Natural Sprühkork | 4 mm | 0,040 | Anti-Kondensat, Anti-Rost |
| Karosserie | Stahl | ~1 mm | 50 | Fahrzeugblech |
Dämmwerte
- R-Wert: 1,60 (K*m2/W)
- U-Wert: 0,625 (W/m2*K)
- Wärmeverlust bei -5 Grad außen, 20 Grad innen: 469 Watt
- Vergleich Armaflex 19mm: R 0,80, Wärmeverlust 937 Watt (doppelt so viel)
Flächen
- Gedämmt mit Holz: 23 m2
- Gedämmt ohne Holz (hinter Schränken): 7 m2
Zonen. Verbrauch Eco: 0,15 l/h. Kein Gas, kein Klicken.
Lambda - Wärmeleitfähigkeit in Watt pro Meter mal Kelvin (W/mK). Niedriger ist besser. Schafwolle: 0,038. Armaflex: 0,035. Nahezu identisch.
R-Wert - Wärmedurchlasswiderstand in Quadratmeter mal Kelvin pro Watt (m2K/W). Höher ist besser. Unser Aufbau: R 1,60. Standard-Armaflex: R 0,80. Doppelt so gut.
Schafwolle (Isolena Optimal) - Naturdämmstoff aus Alpenschafwolle. Lambda 0,038. Nimmt 33% des Eigengewichts an Feuchtigkeit auf, ohne Dämmverlust. Ionic-Protect-Behandlung gegen Motten.
sd-Wert - Wasserdampf-Diffusionswiderstand, angegeben als äquivalente Luftschichtdicke in Metern. Armaflex: >1.500 m (praktisch dampfdicht). Sprühkork: 0,015 m (praktisch Luft). Schafwolle: ~1 m (völlig diffusionsoffen).
Sprühkork (Soliege Natural) - Korkpulver-Wasser-Gemisch, per Kompressor auf das Blech gespritzt. Lambda 0,039. Korrosionsschutz, Akustikdämmung, Kondensatpuffer. Keine Dampfsperre.
Zonenheizung - Mehrkreis-Wasserheizsystem mit separaten Thermostaten pro Bereich. Fünf Zonen: Wohnraum (20 Grad), Cockpit (beschlagfrei), Schlafbereich (15-16 Grad), Keller (Frostschutz >5 Grad), Brauchwasser.
Häufig gestellte Fragen
Ist Schafwolle besser als Armaflex für die Camper-Dämmung?
Für einen diffusionsoffenen Wandaufbau ja. Schafwolle (Lambda 0,038) dämmt fast identisch wie Armaflex (0,035), nimmt aber 33 Prozent ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit auf und gibt sie wieder ab. Armaflex sperrt Feuchtigkeit ein (sd-Wert über 1.500 m), was in einem Wohnmobil mit wechselnden Temperaturen zu verstecktem Kondensat und Rost führen kann.
Verrutscht Schafwolle im Wohnmobil durch Vibrationen?
Das ist eine berechtigte Sorge. Die Lösung: Isolena Optimal wird als vorkomprimiertes Vlies in die Holmprofile und Wandkassetten geklemmt, nicht lose eingelegt. Der dreischichtige Aufbau mit Sprühkork als Haftgrund, Wolle und Molton-Abschluss fixiert das Material zusätzlich. Erfahrungsberichte zeigen, dass korrekt verbaute Schafwolle auch nach Jahren nicht absackt.
Braucht man bei Schafwolle eine Dampfsperre?
Nein - genau das ist der Vorteil. Der diffusionsoffene Aufbau mit Sprühkork (sd-Wert 0,015 m) und Schafwolle (sd-Wert ca. 1 m) lässt Feuchtigkeit durch die Wand nach außen wandern, statt sie einzusperren. Eine Dampfsperre würde den Feuchtigkeitstransport blockieren und das Schimmelproblem erst erzeugen.
Reicht eine Diesel-Standheizung für den Winter im Wohnmobil?
Die Eberspächer Hydronic S3 D5E liefert 5.000 Watt Heizleistung - bei einem Wärmeverlust von nur 469 Watt durch die gedämmten Wände bei minus fünf Grad ist das mehr als zehnfach überdimensioniert. Im Eco-Modus verbraucht sie 0,15 Liter Diesel pro Stunde. Acht Stunden Nachtbetrieb kosten anderthalb Liter, der 90-Liter-Tank reicht für rund dreißig Nächte.
Was ist ein diffusionsoffener Wandaufbau im Camper?
Ein Wandaufbau ohne Dampfsperre, bei dem Feuchtigkeit von innen durch alle Schichten nach außen wandern kann. Im Projekt Arche: 4 mm Sprühkork auf dem Blech, 40 mm Schafwolle, 3 mm Molton, 20 mm Luftspalt, 10 mm Holzleisten. R-Wert 1,60 - doppelt so gut wie Standard-Armaflex mit R 0,80.
Wie viel kostet die Dämmung mit Schafwolle?
Schafwolle-Dämmung kostet drei- bis viermal so viel wie Armaflex und ist 50 mm dicker sowie 2 kg pro Quadratmeter schwerer. Für rund 30 Quadratmeter gedämmte Fläche im Boxer L3H3 liegt man bei 1.500 bis 2.500 Euro Material (Sprühkork plus Wolle plus Molton). Der Mehrpreis zahlt sich durch vermiedene Rostschäden und besseres Raumklima aus.
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