Ein 48V-System ist ein Bordnetz, das mit 48 Volt Systemspannung arbeitet. Die Konsequenz: Bei gleicher Leistung fließt ein Viertel des Stroms verglichen mit 12V.
Weniger Strom, gleiche Leistung. Das klingt nach Physik-Trick, ist aber nur Ohmsches Gesetz.
P ist gleich U mal I. Leistung gleich Spannung mal Strom. Das steht im Physik-Heft der Neunjährigen. Mit Buntstiften unterstrichen.
2000 Watt Induktionskochfeld. Bei 12 Volt: 167 Ampere. Das sind Kabel dicker als ein Daumen. Das sind Sicherungen, die alleine schon 200 Gramm wiegen. Das ist ein Widerstand im Kabel, der bei 167 Ampere selbst Wärme produziert — Energie, die verloren geht, bevor sie im Topf ankommt.
Bei 48 Volt: 42 Ampere. Kabel mit 6 Quadratmillimetern. Handelsübliche 50-Ampere-Sicherung. Verluste unter einem Prozent.
Warum 48V für Induktionskochen unverzichtbar ist
Das ist der Kernpunkt. Wir haben uns bewusst gegen Gas entschieden. Propangas ist schwerer als Luft, sammelt sich am Boden und wartet dort auf Zündquellen. Mit einem Hund und einer Neunjährigen im Fahrzeug war das keine Option.
Induktion braucht Strom. Viel Strom. Bei 12V würde das Kabel vom Akku zum Kochfeld 35 mm² Querschnitt benötigen — das ist kein Kabel mehr, das ist ein Seil. Teuer, schwer, und auch dann noch mit erheblichen Verlusten.
Das 48V-System macht Induktionskochen im Wohnmobil erst praktikabel.
Das Projekt Arche läuft auf 48V
Wir haben uns für ein System aus sechzehn EVE LF280K-Zellen entschieden. Vier Reihen à vier Zellen in Serie, das ergibt nominal 48 Volt. Kapazität: 14,3 Kilowattstunden. Das reicht für mehrere Tage ohne Solar — oder für viele Mahlzeiten auf dem Induktionskochfeld.
Der Victron MultiPlus-II wandelt die 48 Volt bei Bedarf in 230V Wechselstrom. Der Cerbo GX koordiniert alles. Der MPPT-Solarregler lädt die Batterie direkt.
Der Nachteil: 48V-Zubehör ist teurer und weniger verbreitet als 12V. USB-Laden, LED-Beleuchtung, die Wasserpumpe — vieles davon gibt es nicht nativ in 48V. Wir nutzen DC-DC-Wandler, die aus 48V die 12V erzeugen, die der Rest des Fahrzeugs kennt.
"Lohnt sich der Aufwand?", hat die Mama gefragt.
Ach Strolch — du weißt, wann es Nudeln gibt. Du erkennst das Geräusch des Kochfelds. Du legst dich strategisch neben den Herd und wartest.
Ja. Es lohnt sich.
Haufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen 48V-System und 48V-Bordnetz?
Beide Begriffe meinen dasselbe: ein Wohnmobil-Stromsystem mit 48 Volt Betriebsspannung. "Bordnetz" betont die Gesamtheit aller elektrischen Verbraucher und Leitungen. "48V-System" betont die gewählte Systemspannung als technische Entscheidung. Synonyme im Wohnmobil-Kontext.
Ist 48V gefährlich?
Nein. 48 Volt liegt im Niedervoltbereich, der als ungefährlich für den menschlichen Körper gilt. Erst ab 60 Volt DC gelten besondere Sicherheitsauflagen. Dennoch: Kurzschlüsse bei 48V und hohen Strömen können Feuer verursachen. Korrekte Sicherungen sind Pflicht.
Welche Geräte funktionieren nativ mit 48V?
Victron-Geräte (MultiPlus-II, MPPT, Cerbo GX, Ladebooster) sind nativ 48V-fähig. Für 12V-Verbraucher (Beleuchtung, Wasserpumpe, USB-Laden) braucht man DC-DC-Wandler. Diese haben typisch 92-96% Wirkungsgrad — vertretbarer Verlust für die gewonnene Systemeffizienz.
Wie viele LiFePO4-Zellen brauche ich für 48V?
Eine LiFePO4-Zelle hat Nennspannung 3,2V. Für 48V werden 16 Zellen in Serie geschaltet: 16 × 3,2V = 51,2V Nennspannung ("48V-System" ist die Bezeichnung). Mit EVE LF280K-Zellen (280 Ah) ergibt das 14,3 kWh Kapazität.
Kann ich ein bestehendes 12V-System auf 48V umrüsten?
In der Theorie ja. In der Praxis bedeutet das: neues BMS, neue Sicherungen, neue Hauptleitungen, neuer Ladebooster, neuer Wechselrichter. Es ist günstiger, von Anfang an auf 48V zu planen als nachträglich umzurüsten.
