38 Grad. Konstant. Einfach.
Die Infini-Dusch (siehe: Unendlich duschen). Du erinnerst dich? Das rezirkulierende Duschsystem, bei dem das Wasser im Kreislauf läuft, gefiltert, UV-sterilisiert, wiederverwendet. Endlos duschen mit fünf Litern. Das Konzept ist genial. Die Umsetzung ist - nun ja.
Das Problem ist die Temperatur. 38 Grad. So warm, dass es sich gut anfühlt. So kühl, dass niemand sich verbrüht. Konstant. Nicht 36, nicht 42, nicht abwechselnd heiß-kalt wie eine kaputte Hoteldusche in Andalusien. 38 Grad.
Einfache Sache, dachte ich. Man kauft ein thermostatisches Mischventil. Das ist dieses Ding in jeder normalen Dusche zu Hause: Heißes Wasser rein, kaltes Wasser rein, 38 Grad raus. Wachselement expandiert bei Wärme, verschiebt einen Kolben, reguliert die Mischung. Rein mechanisch. Kein Strom. Funktioniert seit fünfzig Jahren in jedem Badezimmer.
Also: Ventil bestellt. Caleffi 5213. TMV2/TMV3 zertifiziert. 63 Euro. Genauigkeit plus-minus 2 Grad. Perfekt.
Dann las ich das Datenblatt.
Minimum temperature differential from hot inlet to mixed water outlet: 10 Grad Celsius.
Zehn Grad Mindestdifferenz. Zwischen Heißwasser-Eingang und Mischtemperatur-Ausgang. Zehn Grad, damit das Wachselement genug Hub hat, um den Kolben präzise zu bewegen.
Und jetzt kommt der Punkt, an dem normale Menschen sagen: Na und? Zehn Grad, das hat man doch.
Hat man. Im Winter. Kaltwasser aus dem Tank: 8 Grad. Heißwasser aus dem Boiler: 65 Grad. Delta-T: 57 Grad. Das Ventil badet darin. Alles wunderbar.
Aber im Sommer. Irgendwo in Spanien. Vierzig Grad Außentemperatur. Der Frischwassertank steht im Fahrzeug. Das Wasser im Tank hat sich auf 35 Grad aufgewärmt. 35 Grad Kaltwasser. Heißwasser aus dem Boiler: 65 Grad. Delta-T: 30 Grad. Noch okay.
Aber die Infini-Dusch rezirkuliert. Das kalte Wasser ist das rücklaufende Duschwasser. Schon 32 bis 36 Grad warm. Der Boiler liefert 60 bis 70 Grad. Und das Ventil soll daraus 38 Grad machen. Delta-T zwischen Kaltwasser und Zieltemperatur: 2 bis 6 Grad.
Zwei bis sechs Grad.
Das Wachselement hat bei dieser Differenz nicht genug Hub. Es kann den Kolben nicht präzise genug bewegen. Das Ergebnis: Oszillation. Überschwinger. Abwechselnd zu heiß, zu kalt, zu heiß. Oder - und das ist das Elegante an der Physik - gar keine Regelung. Das Ventil gibt auf.
Ventil 1: zurück.
Marine. Haushalt. Camping. Existiert nicht.
Okay, dachte ich. Falsches Ventil. Brauche ein Marine-Ventil. Die sind für Boote gebaut, Niederdruckpumpen, kleine Systeme. Die müssen das können.
Whale Seaward WX1599B. 140 Euro. Marine-optimiert. Niederdruckfähig. Temperaturbereich 30 bis 70 Grad. Vielversprechend.
Minimales Delta-T? Nicht spezifiziert. Ich habe das Datenblatt dreimal gelesen. Nichts. Ich habe den Hersteller angeschrieben. Eine höfliche Mail. Technisch präzise. Wie klein darf die Temperaturdifferenz zwischen dem Kalt- und dem Warmwassereingang sein?
Antwort, vier Tage später, ein Satz: Ihr Anwendungsfall ist nicht vorgesehen.
Nicht vorgesehen.
Ich habe den Satz dreimal gelesen. Nicht vorgesehen. Ich bin nicht vorgesehen. Mein ganzes Projekt ist nicht vorgesehen. Kein Hersteller auf diesem Planeten hat sich hingesetzt und gesagt: Was, wenn jemand in einem Transporter eine rezirkulierende Dusche baut, bei der das Kaltwasser eigentlich warm ist?
Weil das niemand tut. Weil das - und ich sage das mit der ganzen Selbsterkenntnis eines Mannes, der um Mitternacht Marine-Ventil-Datenblätter liest - weil das nicht normal ist.
Ventil 2: zurück.
Dann: China. AliExpress. Ein Ventil ohne Markennamen, ohne Datenblatt, aber mit 4,2 Sternen und dem vielversprechenden Titel Universal Thermostatic Mixing Valve Bathroom Shower. 23 Euro. Versand drei Wochen.
Es kam. Es war kleiner als erwartet. Es roch nach Maschinenöl. Ich schloss es an, leitete 36-Grad-Wasser und 65-Grad-Wasser durch. 38 Grad am Ausgang? 44. Dann 31. Dann 47. Dann nichts, weil der Durchfluss so gering war, dass das Ventil einfach - aufhörte.
Ventil 3: zurück.
Das Rabbit Hole hat einen Namen: PID
Irgendwann - ich glaube, es war Dienstag, aber die Tage verschwimmen, wenn man nach Mitternacht ESBE FAQ-Seiten liest - irgendwann bin ich auf die Idee gekommen, das Problem nicht mechanisch zu lösen, sondern elektronisch.
Ein PID-Regler.
Für Nicht-Nerds: PID steht für Proportional-Integral-Derivative. Es ist ein Regelungsalgorithmus. Man misst die Ist-Temperatur, vergleicht sie mit der Soll-Temperatur, und der Algorithmus berechnet, wie stark ein Ventil geöffnet oder geschlossen werden muss. Dreimal pro Sekunde. Automatisch. Präzise.
Klingt nach einer guten Idee. Ist eine gute Idee. Es gibt Open-Source-Projekte auf GitHub, bei denen Leute genau das gebaut haben: Ein ESP32-Mikrocontroller, zwei Tsai Fan TFM15-S2-C Proportionalventile aus Edelstahl (je eins für heiß und kalt), drei DS18B20-Temperatursensoren (Heißwasser, Kaltwasser, Mischausgang), und ein PID-Algorithmus, der die Ventile in Echtzeit steuert.
Genauigkeit: plus-minus 0,5 Grad. Bei beliebigem Delta-T. Auch bei einem Grad Differenz.
Kosten: 150 bis 235 Euro. Zwei Ventile (je 45 bis 55 Euro), drei Sensoren (je 3 bis 8 Euro), ein ESP32 (8 bis 15 Euro), Spannungsregler, Gehäuse, Verkabelung. Gewicht: anderthalb bis zweieinhalb Kilo.
Ich saß am Esstisch und las PID-Tuning-Anleitungen. Ziegler-Nichols-Methode. Proportionalanteil Kp: 2,0. Integralanteil Ki: 0,5. Differentialanteil Kd: 0,1. Anti-Windup auf dem Integralterm, damit der Regler nach dem Start nicht überschwingt. Totzeit minimieren durch sensornahe Platzierung am Mischpunkt. 9-Bit-Modus am DS18B20 für 94 Millisekunden Konvertierungszeit statt 750 Millisekunden im 12-Bit-Modus. Durchflusssensor empfohlen, damit der PID bei Null-Durchfluss nicht wild oszilliert.
Ich verstand jedes Wort. Ich konnte die Regelstrecke im Kopf modellieren. Ich konnte die Transfer-Funktion zeichnen. Ich konnte die Sprungantwort visualisieren.
Ich bin AI Architekt. Ich modelliere beruflich komplexe Systeme. Und jetzt saß ich um Mitternacht am Esstisch und modellierte ein Wasserventil.
Für eine Dusche.
In einem Transporter.
"Seit wann?"
Das Kind am nächsten Morgen, Frühstück. Cornflakes. Ich hatte die Augen halb zu, weil ich bis drei Uhr PID-Parameter verglichen hatte.
"Papa hat wieder die ganze Nacht am Computer gesessen."
Die Mama schaute nicht auf. Sie schmierte ein Brot. Gleichmäßige, ruhige Bewegungen. Die Bewegungen einer Frau, die genau weiß, was ihr Mann getan hat, und die Energie spart für den richtigen Moment.
"Ich weiß," sagte die Mama.
"Wegen dem Ventil?"
"Wegen dem Ventil."
Stille. Das Kind löffelte Cornflakes. Ich trank Kaffee. Du lagst unter dem Tisch und atmetest gleichmäßig, dein warmer Atem an meinem nackten Fuß, weil du die Filzpantoffeln irgendwann in der Nacht zur Seite geschoben und dich direkt auf meine Zehen gelegt hattest.
Dann die Mama. Nicht vorwurfsvoll. Schlimmer: sachlich.
"Was machst du da eigentlich?"
"Ich suche ein Ventil."
"Seit wann?"
"Seit..." Ich rechnete nach. "Drei Wochen."
"Für ein Ventil."
Welches Mischventil funktioniert im Camper mit Kreislaufdusche?
Keines der klassischen Thermostatventile - bei nur 2 bis 6 Grad Temperaturdifferenz zwischen Rücklauf und Sollwert versagen sie alle. Am Ende wurde das Whale Seaward WX1599B zum Kompromiss: nicht perfekt, aber gut genug.
Ich hätte aufhören können. Ich hätte sagen können: Gut, ich nehme das Whale-Ventil, probiere es aus, und wenn es nicht funktioniert, drehe ich halt manüll nach. Wie normale Menschen.
Stattdessen baute ich eine Vergleichsmatrix.
Sechs Spalten: Genauigkeit. Minimales Delta-T. 12V-kompatibel. Preis. Komplexität. Camper-Eignung.
Sieben Zeilen:
| Lösung | Genauigkeit | Min. Delta-T | 12V | Preis | Eignung |
|---|---|---|---|---|---|
| TMV klassisch (Caleffi 5213) | plus-minus 2 Grad | 10 Grad | ja (passiv) | 40-150 EUR | 3/10 |
| Whale Seaward WX1599B | unbekannt | unbekannt | ja (passiv) | 140-160 EUR | 6/10 |
| DIY PID + 2x TFM15 | plus-minus 0,5 Grad | beliebig | ja (DC9-24V) | 150-235 EUR | 9/10 |
| ESBE VRG131 + Stellantrieb | plus-minus 0,5 Grad | beliebig | nein (24VAC) | 200-350 EUR | 7/10 |
| IMASS Durchlauferhitzer | plus-minus 2 Grad | irrelevant | 12V Zündung | 695 EUR | 8/10 |
| Smart Shower (Mön U / Kohler DTV+) | plus-minus 0,5 Grad | klein | NEIN (230V) | 800-3000 EUR | 0/10 |
Die letzte Zeile. Null von zehn. Smart Shower. Mön U, Kohler DTV+, Grohe SmartControl. Perfekte Temperaturregelung. Wunderschöne App. Touch-Display. Und alle - ausnahmslos alle - brauchen 110 bis 240 Volt Wechselstrom. Hausstrom. In einem Transporter.
Der IMASS-Durchlauferhitzer: Löst das Problem elegant. Kein Mischventil nötig, das Wasser wird direkt auf 38 Grad erhitzt. Stufenlose elektronische Modulation. Aber: Gasanlage. 695 Euro. 12 Kilo. Und wir hatten entschieden: Kein Gas. Das war einer der ersten Entschlüsse. Nacht in Barcelona, klickende Heizung, mein Puls bei 140. Kein Gas.
Also blieb der PID-Regler. Die beste Lösung. Die präziseste. Die flexibelste.
Die komplexeste.
Kp 2,0. Ki 0,5. Kd 0,1. - PID-Parameter für den Duschthermostat
Um halb eins morgens saß ich am Esstisch. Der Laptop strahlte blau ins dunkle Wohnzimmer. Auf dem Bildschirm: ein GitHub-Repository. ESPHome PID Climate Controller. Mixing Valve Controller mit PWM. Der Code war sauber. Die Dokumentation gut. Die Regelstrecke nachvollziehbar.
Ich hatte ein Notizbuch neben dem Laptop. Handschriftlich - ja, mein lieber Hund, handschriftlich, weil manche Dinge sich nur mit Stift und Papier denken lassen - hatte ich die PID-Parameter notiert:
Kp: 2,0. Der Proportionalanteil. Wie stark reagiert der Regler auf den aktuellen Fehler. Zu hoch: das System schwingt. Zu niedrig: es reagiert zu langsam.
Ki: 0,5. Der Integralanteil. Wie stark korrigiert der Regler bleibende Abweichungen über die Zeit. Zu hoch: Überschwinger. Zu niedrig: dauerhafte Abweichung von der Soll-Temperatur.
Kd: 0,1. Der Differentialanteil. Wie stark reagiert der Regler auf die Änderungsgeschwindigkeit. Dämpfung. Stabilität.
Drei Zahlen. Drei Zahlen, die bestimmen, ob die Dusche in meinem Transporter 38 Grad liefert oder 44 oder 29 oder abwechselnd beides.
Und diese drei Zahlen, mein lieber Hund - diese drei Zahlen müssen am realen System getunt werden. Man stellt sie ein, startet den Wasserdurchfluss, beobachtet die Sprungantwort, korrigiert, misst wieder, korrigiert wieder. Am realen System. In einem Transporter, den es noch nicht gibt.
Ich tunte PID-Parameter für ein System, das nicht existiert.
1:30 morgens
Ich schaute aus dem Fenster. Nicht absichtlich. Mein Blick glitt einfach vom Bildschirm weg, über den Esstisch mit seinen Papieren und Ventil-Datenblättern, zum Fenster. Draußen das Feld. Mondlicht auf dem Gras. Still. Kalt. Februar.
Für einen Moment - einen kurzen, stillen Moment - war da etwas. Ein Gefühl, das ich nicht benennen konnte. Wie ein Wort, das auf der Zunge liegt. Wie eine Frage, die man sich noch nicht traut zu stellen.
Das Feld lag einfach da. Es brauchte keine Recherche. Es brauchte keine Vergleichsmatrix. Es war nicht vorgesehen für irgendeinen Anwendungsfall. Es war einfach ein Feld.
Ich drehte mich zurück zum Bildschirm.
Dann die Bewegung unter dem Tisch. Dein Kopf. Du hobst ihn. Langsam. Schwer. So, wie du ihn immer hebst, wenn ich zu lange still sitze und du prüfen willst, ob ich noch lebe oder ob du endlich auf den ganzen Stuhl darfst.
Du schautest mich an.
Nicht vorwurfsvoll. Nicht mitleidig. Nicht verständnislos. Du schautest einfach. Deine braunen Augen, halb im Schatten unter dem Tisch. Dein Atem gleichmäßig. Warm an meinem Fussgelenk.
Dein Blick sagte nichts.
Oder alles.
Um 1:30 morgens, mein lieber Hund, sitzt ein Mann am Esstisch und optimiert ein Mischventil für eine Dusche in einem Transporter. Der Transporter existiert nicht. Die Dusche existiert nicht. Das Ventil existiert nicht - zumindest keines, das funktioniert. Aber die Vergleichsmatrix existiert. Die PID-Parameter existieren. Die Retouren-Bestätigungen existieren. Drei Stück. In drei Wochen.
Und der Hund schaut ihn an.
Ich legte den Laptop zu. Für heute.
Versuch #12
Du kamst unter dem Tisch hervor. Langsam. Die Krallen klickten auf den Dielen. Und dann - ich hatte den Laptop gerade zugeklappt, die Hand lag noch auf dem Deckel - dann nahmst du meine Hand ins Maul.
Nicht beißen. Halten. Deine Zähne um meine Finger, sanft, wie du ein Stofftier trägst. Und du zogst. Richtung Balkontür.
Ich saß noch auf dem Stuhl. Du zogst. Der Stuhl rollte einen halben Meter über die Dielen. Dein Gewicht gegen meins. Dein warmer Atem um meine Finger. Deine Augen auf meinen.
"Lass los."
Du ließest los. Sofort. Standest da. Schautest mich an. Dann drehtest du dich um, gingst zur Balkontür, legtest dich hin.
Mit dem Rücken zu mir.
Das war das erste Mal, dass du aufgegeben hast.
"Muss es das?"
Am nächsten Abend. Früher als sonst. Noch nicht mal zehn. Die Mama kam zum Esstisch. Ohne Kaffeetasse diesmal. Ohne Schutzschild. Sie setzte sich mir gegenüber.
Ich starrte auf ihre leeren Hände.
"Kein Kaffee?"
"Heute nicht."
Und ich wusste, dass das etwas bedeutete. In elf Monaten Projekt Arche hatte ich die Mama ohne Kaffeetasse gesehen wie - nie. Die Kaffeetasse war ihr Werkzeug. Ihr Ding, das sie zwischen sich und das Gespräch stellte, an dem sie nippte, wenn sie nachdachte, das sie drehte, wenn sie mir Zeit gab. Keine Kaffeetasse hiess: nichts dazwischen. Hiess: direkt.
Sie wartete.
Ich kenne dieses Warten. Jeder Ehemann kennt dieses Warten. Es ist das Warten einer Frau, die genau weiß, was sie sagen wird, und die nur darauf wartet, dass du zu reden aufhörst, damit der Satz richtig sitzt.
"Es muss perfekt sein," sagte ich. Ungefragt. Als hätte sie die Frage schon gestellt.
"Muss es das?"
Stille.
"Du sitzt seit drei Wochen an einem Ventil. Einem Ventil. Für achtzig Euro."
Sie ließ den Satz stehen. Wie einen Stein, den man in einen Teich wirft. Und wartet, bis die Ringe sich ausgebreitet haben.
"Und du hast noch 147 andere Entscheidungen offen."
Das stimmte. Die Einkaufsliste hatte ich irgendwann angefangen zu zählen. 147 offene Positionen. Von der Sicherungsbox über die Türscharniere bis zum Duschvorhang. 147 Entscheidungen, jede davon recherchiert, verglichen, bewertet. Und ich hing an Nummer 83. Einem Mischventil. Für achtzig Euro.
"Wenn einer meiner Kunden mir das erzählen würde," sagte die Mama. Ruhig. Beiläufig fast. "Drei Wochen Recherche für ein Ventil. Dann würde ich ihn fragen, was er eigentlich vermeidet."
Ich schaute sie an.
"Und was würde er antworten?"
"Das weiß ich nicht." Sie schaute zurück. "Was vermeidest du?"
Ich starrte auf den Bildschirm. Die Vergleichsmatrix leuchtete blau im Halbdunkel. Sechs Spalten. Sieben Zeilen. Alles sauber sortiert.
Ich antwortete nicht.
"Manchmal ist gut genug--"
"Sag es nicht."
"--gut genug."
Sie sagte es trotzdem. Natürlich sagte sie es trotzdem.
Und dann sagte ich etwas, das ich so noch nie gesagt hatte. Nicht laut. Nicht zu ihr.
"Ich weiß nicht, ob ich das kann."
Sie schaute mich an.
"Nicht das Bauen. Das Aufhören-zu-Optimieren."
Der Kompromiss
Am Ende bestellte ich das Whale-Ventil. Das Marine-Ventil. Das, bei dem der Hersteller gesagt hatte: Ihr Anwendungsfall ist nicht vorgesehen.
Ich bestellte es trotzdem. Nicht, weil ich überzeugt war, dass es funktioniert. Sondern weil ich akzeptierte, dass es gut genug sein könnte. Dass ich es einbauen, ausprobieren und im schlimmsten Fall manüll nachregeln würde. Wie ein normaler Mensch. Wie jemand, der einen Transporter ausbaut und nicht die Mars-Mission plant.
Die PID-Lösung bleibt als Backup. In einer Datei auf meinem Rechner. Fein säuberlich dokumentiert. Tsai Fan TFM15-S2-C. ESP32-WROOM-32. DS18B20 in Edelstahlhülse. Ziegler-Nichols-Parameter. Alles da. Bereit. Falls das Whale-Ventil versagt.
Falls gut genug nicht gut genug ist.
Die 78.000 Euro waren eine Zahl
weißt du, mein lieber Hund, die 78.000 Euro - die Gesamtkosten des Projekts, aufgelistet in einer Tabelle, die länger ist als dein Schwanz - die 78.000 Euro waren eine Zahl. Abstrakt. Groß, ja. Beängstigend, sicher. Aber eine Zahl. Zahlen kann ich. Zahlen sind mein Beruf.
Das Ventil war keine Zahl.
Das Ventil war persönlich.
Das Ventil war der Moment.
Ich lehnte mich zurück. Rieb mir die Augen. Drei Wochen. Drei Retouren. Ein Hersteller, der sagt: Sie sind nicht vorgesehen. Und ein Mann, der um halb zwei morgens PID-Parameter in ein Notizbuch schreibt, während sein Hund ihn anschaut und sein Rücken weh tut und seine Augen brennen.
Zum ersten Mal zweifle ich nicht am Projekt. Ich zweifle an mir. Aber woran genau - das kann ich noch nicht sagen.
Und diese Frage - diese eine, unförmige, noch nicht fertig gedachte Frage - die kann ich jetzt nicht beantworten. Nicht um halb zwei morgens. Nicht auf der Rückseite einer Retouren-Bestätigung. Nicht, während du an der Balkontür liegst und mir den Rücken zudrehst und ruhig atmest, als hättest du längst verstanden, was ich noch nicht verstehe.
Mein lieber Hund,
du schaust mich an und ich sehe, was du siehst: Einen Mann, der um halb zwei morgens ein Ventil googelt, statt mit dir spazieren zu gehen. Einen Mann, der Vergleichsmatrizen baut, während du auf seinen Füßen liegst. Einen Mann, der PID-Parameter für ein System tunt, das nicht existiert, anstatt mit dir durch das Feld zu laufen, das direkt vor dem Fenster liegt. Jeden Tag. Die ganze Zeit.
Ich glaube, du hast recht.
Ich glaube, ich muss aufhören. Nicht mit dem Projekt. Mit dem Perfekt-Sein-Müssen.
Aber nicht heute Nacht. Heute Nacht mache ich den Laptop zu. Und morgen bestelle ich das Whale-Ventil. Und übermorgen sind es nur noch 146 offene Entscheidungen.
Eine nach der anderen, mein Freund. Eine nach der anderen.
Dein Herrchen
P.S.: Du liegst an der Balkontür. Zum ersten Mal mit dem Rücken zu mir. Das Mondlicht fällt auf dein Fell. Du atmest ruhig. Du wartest nicht mehr.
Zwei DAC-Kanäle für analoge Ausgabe. Geeignet für Echtzeit-PID-Regelung. Preis: 8 bis 15 Euro.
PID-Regler - Proportional-Integral-Derivative-Regler. Regelungsalgorithmus, der kontinuierlich die Differenz zwischen Soll- und Istwert berechnet und ein Stellsignal ausgibt. Standard in der Automatisierungstechnik, vom Tempomat bis zur Raumtemperatur.
Proportionalventil - Motorisiertes Ventil, das stufenlos zwischen vollständig geschlossen und vollständig geöffnet geregelt werden kann. Im Gegensatz zu On/Off-Ventilen, die nur Auf oder Zu kennen.
Thermostatisches Mischventil (TMV) - Mechanisches Ventil mit Wachselement, das heißes und kaltes Wasser auf eine einstellbare Temperatur mischt. Benötigt eine Mindest-Temperaturdifferenz am Eingang (typisch: 10 Grad).
Ziegler-Nichols - Methode zur empirischen Bestimmung von PID-Parametern. Man erhöt den Proportionalanteil, bis das System dauerhaft schwingt, und berechnet daraus die optimalen Kp/Ki/Kd-Werte.
Häufig gestellte Fragen
Warum funktionieren normale Thermostatventile nicht im Wohnmobil mit Kreislaufdusche?
Thermostatische Mischventile brauchen mindestens 10 Grad Temperaturdifferenz zwischen Kalt- und Warmwassereingang. Bei einer Kreislaufdusche hat das "kalte" Rücklaufwasser aber schon 32 bis 36 Grad - die Differenz zur Solltemperatur von 38 Grad beträgt nur 2 bis 6 Grad. Das Wachselement hat nicht genug Hub für präzise Regelung.
Was ist ein PID-Regler und warum hilft er bei der Duschtemperatur?
Ein PID-Regler (Proportional-Integral-Derivative) ist ein elektronischer Regelungsalgorithmus, der dreimal pro Sekunde die Ist-Temperatur misst und zwei Proportionalventile stufenlos ansteuert. Er erreicht plus-minus 0,5 Grad Genauigkeit bei beliebiger Temperaturdifferenz - auch bei nur einem Grad Delta-T.
Was kostet ein DIY-PID-Mischventil für den Camper?
Zwischen 150 und 235 Euro: zwei Tsai Fan TFM15-S2-C Edelstahl-Proportionalventile (je 45 bis 55 Euro), drei DS18B20-Temperatursensoren (je 3 bis 8 Euro), ein ESP32-Mikrocontroller (8 bis 15 Euro), plus Spannungsregler, Gehäuse und Verkabelung. Gewicht: 1,5 bis 2,5 kg.
Gibt es fertige Thermostatventile für Niederdrucksysteme im Boot oder Camper?
Das Whale Seaward WX1599B (140 bis 160 Euro) ist für Marine-Niederdrucksysteme gebaut, aber der Hersteller spezifiziert kein minimales Delta-T. Auf Anfrage hiess es: "Ihr Anwendungsfall ist nicht vorgesehen." Es bleibt ein Kompromiss - funktioniert möglicherweise, aber ohne Garantie bei geringer Temperaturdifferenz.
Kann man die Duschtemperatur im Wohnmobil nicht einfach manüll regeln?
Doch, und genau das ist der pragmatische Kompromiss. Das Whale-Ventil plus manülles Nachregeln funktioniert wie in jeder normalen Dusche. Der PID-Regler bleibt als Backup-Lösung dokumentiert, falls "gut genug" nicht gut genug ist.
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