Thermostatische Mischventile (TMV) mischen Kalt- und Warmwasser auf eine Solltemperatur. Im Wohnmobil lösen sie ein klassisches Dilemma: hohe Boiler-Temperatur für Hygiene, angenehme Temperatur am Auslass.
Warum 60 Grad im Tank lebensnotwendig sind — und warum trotzdem 38 Grad aus der Brause kommen.
Das Problem ist bekannt, aber viele Wohnmobil-Ausbauer ignorieren es: Legionella pneumophila, der Erreger der Legionärskrankheit, vermehrt sich zwischen 25 und 45 Grad Celsius explosionsartig. Ein Warmwasserboiler, der auf gemütliche 45 Grad eingestellt ist — weil man sich nicht verbrennen will — ist ein Legionellen-Brutkasten.
Die Lösung: Den Boiler auf 60 Grad fahren. Legionellen sterben bei 60 Grad innerhalb weniger Minuten ab. Und zwischen Boiler und Duschkopf schaltet man ein thermostatisches Mischventil.
Wie ein TMV funktioniert
Das Ventil hat drei Anschlüsse: Kalt rein, Warm rein, Gemischt raus. Im Innern regelt ein Dehnstoffelement die Mischrate in Abhängigkeit von der Ausgangstemperatur. Steigt die Temperatur über den Sollwert, drosselt das Element den Warmwasserzulauf. Fällt sie, öffnet es ihn. Das geschieht mechanisch, ohne Strom, ohne Steuerung.
Solltemperatur einstellbar: typisch zwischen 35 und 50 Grad. Für eine Dusche: 38 bis 42 Grad.
Empfehlung für die Arche
Für den geplanten Ausbau kommen zwei Modelle in die engere Auswahl:
- ESBE ARA611: Kompakt, gut in engen Einbausituationen, Solltemperatur werkseitig auf 38 Grad eingestellt, verstellbar zwischen 35 und 50 Grad
- Honeywell AM101: Etwas robuster, für Trinkwasser zugelassen, Temperaturbereich 35–70 Grad
Beide sind für Trinkwasser nach EN 1111 / EN 1287 geprüft. Im Wohnmobil: unbedingt auf Trinkwasserzulassung achten.
Einbauposition
Das TMV gehört direkt nach dem Boilerausgang, vor dem ersten Verbraucher. Nicht in die einzelnen Hähne — das TMV sichert das gesamte System ab, nicht nur eine Entnahmestelle.
"Warum nicht einfach den Boiler kühler stellen?", hat die Mama gefragt.
"Legionellen."
"Legionellen."
"Legionella pneumophila. Wächst zwischen 25 und 45 Grad. Verursacht Lungenentzündung. Boiler auf 60 Grad, TMV vor der Dusche. Das ist der Standard."
Sie hat kurz geschwiegen. "Dann bauen wir das TMV ein."
So läuft das bei uns mit Sicherheitsthemen.
Häufig gestellte Fragen
Ab wann sind Legionellen im Wohnmobil ein echtes Risiko?
Wenn Warmwasser länger als 24 Stunden zwischen 25 und 45 Grad steht. Das betrifft alle Wohnmobile, die selten genutzt werden oder deren Boiler auf niedrige Temperaturen eingestellt sind. Regelmäßiges Durchspülen mit 60-Grad-Wasser und ein TMV sind die Standardmaßnahmen.
Muss das Mischventil alle paar Jahre getauscht werden?
Das Dehnstoffelement verschleißt. Hersteller empfehlen einen Austausch alle fünf bis sieben Jahre oder wenn die Regeltemperatur messbar abweicht. Ein Test: Warmwassertemperatur am Auslass mit einem Thermometer messen und mit dem eingestellten Sollwert vergleichen.
Kann man ein TMV selbst einbauen?
Ja, technisch ist es eine einfache Rohrverbindung (typisch 1/2 Zoll). Bei Trinkwasseranlagen in Deutschland gilt: Wer selbst baut, ist selbst verantwortlich. Die Normen EN 1111 und EN 1287 beschreiben die Anforderungen an das Ventil selbst.
Verhindert ein TMV wirklich alle Verbrühungen?
Es reduziert das Risiko erheblich. Ein TMV kann nicht auf eine Sekunde genau reagieren — bei Druckschwankungen (z.B. Wassermengenänderung durch gleichzeitige Nutzung anderer Entnahmestellen) kann die Temperatur kurz schwanken. Sicherheitsventile nach DIN EN 1455 sind eine Ergänzung, kein Ersatz.
Welche Boilergröße ist für ein Wohnmobil mit 3–4 Personen sinnvoll?
10 bis 15 Liter für kurze Duschen (unter 5 Minuten). Wer eine Kreislaufdusche plant, kann mit weniger Warmwasservolumen auskommen, weil das Wasser recirkuliert wird. Für eine klassische Brause: 15 Liter als Minimum, 20 Liter als Komfortgröße.
